Als Senior Support Engineer für Pay-TV Headend Lösungen (conditional access, sowas wie premiere quasi) bin ich oft in Süderamerika unterwegs wie letztens Brasilien um dort in TV-Headends das equipment einzurichten und zu testen. Diesmal aber ging es nach Mexico ;)
Da es in Deutschland schweinekalt ist hab ich mich gleich freiwillig gemeldet als ich hörte Mexico, nachdem ich dann erfahren habe wo es hingeht und dazu neige das immer gleich zu googeln hab ich das aber ganz schnell bereut ;)
Es sollte nach Ciudad Juarez gehen, einer Grenzstadt zu El Paso / Texas. Wikipedia spuckt zu juarez gleich mal
"Die Stadt hält eine Spitzenposition in der Verbrechensstatistik. Unter allen mexikanischen Städten ist sie vom seit 2007 tobenden Drogenkrieg in Mexiko am meisten betroffen. 2008 wurden etwa 1.600 Menschen ermordet."
aus. Eine google News suche ergibt das übrige. da liest man dann sowas wie "69 Morde in 24 Stunden" oder ganz aktuell als ich hier war wurden am ersten Tag 14 Jugendliche in einer Disko erschossen.
Nach meinem Trip über München -> Los Angeles -> Mexico City -> Juarez und überwundenen jetlag bin ich nun schon knapp eine Woche hier und kann mir ein ganz gutes Bild machen, und ganz knapp und kurz ist es hier Sicherheitstechnisch wohl aufgrund der über 10.000 Soldaten und tonnenweise Polizei zumindest tagsüber recht unkompliziert, man kann sogar alleine als Ausländer der auf jedenfall unter Mexikanern auffällt sich frei bewegen und überall hingehen.
Und ich bin keinesfalls ganztags in irgendeinem Bonzenviertel direkt an der Grenze, (falls es hier überhaupt sowas gibt). Das Headend vom Kunden liegt wie das Headends für z.B DVB-T so an sich haben auf einem Berg um die Stadt zu überstrahlen, um dahin zu kommen muss man durch derbe Armenviertel fahren, die leute siedeln quasi auf dem Berg und bauen sich hütten aus allen was so verwertbar ist. Komischerweise steht vor jeder dieser zusammengezimmerten hütten ein Auto (die gibts hier auf der Straße ab 400 Dollar).
Die Leute die ich hier so getroffen habe auch auf dem weg zum Headend die in den ärmeren vierteln leben sind bisher alles ganz nette und normale Menschen, wie das zu erwarten war, dennoch hatte ich die ersten Tage immer ein extrem mulmiges Gefühl wenn wir auf den Berg gefahren sind, ich hab mich teilw. beinflusst durch die Medien fast nicht getraut einen Block rumzulaufen um zum Supermarkt zu gehen und immer alles genau inspiziert.
Sicherheitsvorkehrungen sind dennoch nicht verkehrt, so war es immer angebracht das wir vor einbruch der Dämmerung verschwunden sind weil es laut kommentar von meinen mexikanischen Kollegen dann abends schon gefährlich wird, das spiegelt sich auch in den Aussagen von einheimischen hier wieder, zitat: "Tagsüber ist Juarez eine wundervolle stadt, abends weggehen ist aber ausgeschlossen".
Die Angst bei den Leuten irgendwie ins Kreuzfeuer von rivalisierenden Drogenbanden zu geraten ist sehr hoch, und das vertrauen in die Soldaten und Polizei sehr gering.
Heute wollte ich z.B für meinen anstehenden Abflug für einen Job in den USA schonmal hier Dollar abheben an der Bank. Wie in Juarez üblich stehen vor den Banken und Einkaufszentren immer Polizisten oder Soldaten bewaffnet mit Deutschen G36 Gewehren, als wir fertig waren sprachen 2 Polizisten meinen Mexikanischen Begleiter an, ich hab nicht verstanden um was es ging, als wir dann im Auto waren meinte er "lets go fast away from here, this are bad people" ich fragte ihn ganz verdutzt warum das sind doch polizisten, worauf er mir erzählte das die wohl keine Amerikaner mögen und meistens von den Drogenbanden gekauft sind. Mein Spruch das ich doch aber Deutscher bin und kein Amerikaner half da natürlich auch nichts ;) Mir war dann doch schon mulmig im Auto, vorallem weil die uns ein ganzes stück hinterhergefahren sind.
Den Tag davor wurden wir von der Polizei angehalten weil jemand vorne nicht angeschnallt war... jede Nacht sterben hier im Schnitt 10 Leute aber man wird wegen nichtanschnallen angehalten!
Generell auch fahren hier permanent Pick-Ups mit schwer bewaffneten Soldaten durch die gegend. Am zweiten Tag im Headend hab ich im Tal schüsse gehört, und auf dem Rückweg lag eine Person blutent am Boden in einer Seitenstrasse umringt von Soldaten als wir vom Headend ins Hotel gefahren sind.
Aber Juarez hat durchaus schöne Seiten, die Buslinien bestehen aus so einem Typ wie Amerikanische Schulbusse und sind alle schön angemalt und jeder unterscheidet sich. Es gibt Seitenstrassen in den urbaneren Gegenden die einen wirklich charmanten Flair versprühen. Genauso wie das Mexikanische Essen das alle erste Klasse ist, sei es ob man nun zu einem der weitverbreiteten Tacostände geht oder in ein Restaurant, bisher war alles ein Fest für die Sinne, und wer mich kennt weis das ich durchaus wählerich bin ;)
Durch das Visa-freie reisen mit dem Waiverprogramm bin ich leider nicht nach El Paso Texas gekommen weil ich hätte 4 Stunden warten müssen um einen Grünen Pass zu bekommen, was auch nicht so schlimm ist, morgen geht es für ein paar Tage nach Los Angeles und dann über Atlanta nach Charlotte bis es schliesslich am 17ten wieder heimwärts geht.
Bilder gibt es wenn auch nicht viele in meinem Juarez Set, evtl. kann ich morgen noch ein paar von der Stadt direkt machen: http://www.flickr.com/photos/flyersa/sets/72157623321282434/
Blog abonnieren (Atom)
Blog abonnieren (RSS)